2004/ Städtebaulicher Ideen- und Realisierungswettbewerb Spielbudenplatz Hamburg

Die Seele des Raumes
Kaum ein Raum ist so mit nationalem wie internationalem Bekanntheitsgrad verbunden wie der Spielbudenplatz im Kontext mit der Reeperbahn. Das ergibt sich aus der langen Geschichte des Platzes am Ort ST. PAULI in der Nähe des Hafens und außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern. Der Reiz des Ortes ist seit jeher, dass hier ein anderes Milieu herrscht, was die Bürger schon seit Jahrhunderten dazu verführt hat, hierher zu kommen, um sich durch UNEHRLICHE LEUTE in eine andere Welt versetzen zu lassen. Namen wie ANKERPLATZ DER FREUDE spiegeln den Anklang des Ortes wieder. Ein breites Spektrum von Vergnügung, Entertainment und eines der etabliertesten Rotlichtviertel Europas sind über viele Generationen hinweg gewachsen.
An diesem Ort, so kann man mit Recht sagen, wurde schon über Jahrhunderte hinweg traditionell mit den Besuchern gespielt, woraus sich schließlich um 1800 der Name ableitet. Die Formen des Spieles waren, sind und werden zu unterschiedlichen Zeiten anders sein – aber der Geist des Ortes lebt im SPIEL.

Anziehungspunkt
Der Ort hat über lange Zeiträume hinweg seine Besucher in den Bann gezogen. Hier wird die Routine des Alltags in Frage gestellt – ausgehebelt. Es findet ein VERWIRRSPIEL MIT DEN GEWOHNHEITEN statt, festgefahrene Vorstellungen verschwinden, man lässt sich gerne auf Neues ein. Der REIZ DES SPIELES zieht an und lässt viele kaum mehr los.
Man ist in einer Welt der Unsicherheit – SINNE WERDEN ATTACKIERT und anzügliche Angebote unterbreitet.

Spielbudenplatz
Inmitten dieser Welt befindet sich der zentrale Bereich des Platzes. Verwundert stellt man fest, dass der Platz selber vernachlässigt wurde. Das Spiel findet schon lange nicht mehr hier statt, sondern in den umgebenden Vergnügungs- und Unterhaltungsstätten. Einige Male im Jahr kehrt das Spiel allerdings auch hierher zurück, wenn große Veranstaltungen nach Platz rufen. ...

 

 

 

VISION
Unverkennbarer Raum
Die Umgebung des Spielbudenplatzes REIZT UND ATTACKIERT durch VISUELLES ÜBERANGEBOT. Flackernde Leuchtreklame, schrille Farben – eine Fülle nicht aufnehmbarer Reize. Kaum ein Ort in diesem Land ist so von Sinnesflutung geprägt. Auch wenn Reizüberflutung durch neuartige Medien immer allgegenwärtiger wurde und wird, ist hier die Wahrnehmung einer ganz andere – hier steht man mitten drin.

Leitidee
Wir wollen das Thema dieser OPTISCHEN REIZE aufgreifen, als Leitidee interpretieren und auf diesen Platz zuschneiden. Wir erkennen in diesem Thema die Grundparameter des Platzes wieder. Hiermit machen wir den Platz zu einem unverkennbaren Ort mit einem hohen Identifikationsniveau, welcher sich dem Milieu des Umfeldes stellt. Der Platz wird den Betrachter auf sich aufmerksam machen durch auftauchende Moire-Formen, reversible Figuren, Randdiffusionen und Verzerrungen. Wir formulieren offenkundig die Absicht, geordnetes Sehen und gestalthafte Wahrnehmung für Momente auszuschließen.

Raumbildung
Der Spielbudenplatz wird bei der Umsetzung unseres Themas in seiner Grundstruktur beibehalten. Nach unserer Auffassung ist der Spielbudenplatz allein durch den geschichtlichen Kontext so eng mit der Reeperbahn verknüpft, dass wir trotz der hohen Verkehrsbelastung in unserer Konzeption einen Raumschluss zwischen den jeweiligen Randbebauungen Spielbudenstrasse sowie Reeperbahn für angemessen halten und damit eine Aufweitung des Platzes erreichen wollen. Für diesen Zweck schaffen wir Blickachsen bzw. Sichtbeziehungen zwischen den zusammenzufügenden Räumen. Eine behutsame Entnahme von einzelnen Gehölzen ist dazu erforderlich, im gleichen Zuge werden wenig vitale Gehölze entnommen. Des weiteren schaffen 2 zusätzliche Fußübergänge über die Reeperbahn (ampelgesteuert) eine Erhöhung der Durchlässigkeit für Fußgänger.
Der Auftakt des Platzes wird an beiden Enden durch das Setzen von Baumblöcken geschaffen. Hierdurch wird insgesamt der Platzcharakter konsolidiert sowie des weiteren die historische Situation der Jahrhundertwende um 1897 aufgegriffen.
Zur weiteren Pointierung der Kopfsituation werden an der Peripherie der Baumblocks die PLAZA VISTA geschaffen. Dies sind multifunktionale Terrassen mit vorgelagerten Tribünen, welche alltags als Verweil- und Aussichtsplätze und bei Veranstaltungen als Tribünen genutzt werden können.
Die derzeitig existierenden Tiefgaragenkopfbauten werden von diesen Terrassen überbaut, sodass die Tiefgarageneinfahrt eine, dem Platz angemessene Zurückhaltung erfährt.
Die Raumwirkung des Platzes wird durch Glaskörper akzentuiert, welche wir gleichzeitig für die Belüftung und Belichtung der Tiefgarage verwenden. In der Nacht werden diese Kuben durch innere Illumination zu LEUCHTENDEN KÖRPERN.